Dienstag, 15. November 2016

Vollmond a.k.a. "Supermond" am 14.11.2016

Schwer vorstellbar dem Medienhype um den diesmonatigen Vollmond zu entgehen ;) 

Der (Voll)Mond ist ja auch normal nicht wirklich mein Metier aber einen Blick mit der Kamera wollte ich schon riskieren, leider hatten wir pünktlich zum Tagesende mit starkem Hochnebel zu kämpfen, also reichte es nur für zwei Schnappschüsse durch den Dunst, was aber reichte um zumindest mal einen Vergleich mit 300mm zu wagen - ernüchternd, sicher findet sich irgendwann in meinem Archiv noch ein Foto des Mondes im Apogäum.. das könnte interessanter ausfallen...


 

Mittwoch, 7. September 2016

BB vom 06.09.2016

Uhrzeit: 21:30 bis 0:50 Uhr
Wetter: Klar
GG: um die 6m, nicht näher bestimmt
Ort: Idsteiner Land

Ein heftiger Abstand zwischen zwei Beobachtungsberichten, zugegeben ;) Heißt aber nicht, dass ich im Sommer gar nicht mal zu Teleskop und/oder Fernglas gegriffen hätte, erst letzte Woche fand eine ähnliche Nacht ebenfalls zusammen mit Rainer statt, allerdings waren da die Wolken bereits beim Aufbau auf dem Vormarsch. Ansonsten waren meine letzten Monate vor allem durch das Große Projekt "Eigener großer Garten und Bau eines Häuschens dort" geprägt, was mir wenig Zeit und Kraft für große Ausflüge des Nachts ließ... 

Jedenfalls befand ich diese Nacht in Qualität und Umfang als würdig festgehalten zu werden. Ich kam nur wenige Minuten vor Rainer am Platz an und der Himmel zeigte sich schon sehr fein, vergleichsweise wenig Dunst und Horizontaufhellung, der sonst sehr zugige Platz war heute schön windstill. Der 8er war in kürzester Zeit einsatzbereit, kurz verzweifelte ich an der Justage des Telrads bis mir auffiel, dass sich die Basis verschoben hatte. Alsdann ging es an den Versuch herauszufinden ob die Handgriffe noch sitzen, die Augen noch das Wahre sind und ich noch das ein oder andere Objekt finden kann. Ja, alles noch parat, so stellte ich den Abend unter das Motto: Noch einmal in den Sommerhimmel abtauchen und sich auf den Herbsthimmel vorfreuen ;)

Ergo waren eine Vielzahl an Objekten aus beiden Bereichen dabei, darunter ein sehr eindrücklicher Cirruskomplex, der im 24er ES und [OIII] herrliche Strukturen und prägnanten Mittelteil Triangular Wisp zeigte. Das Seeing war darüber hinaus auch sehr gut! Ich konnte beispielsweise M57 mit 4,7mm problemlos vergrößern und auch die schwachen Sternchen standen wie genagelt im PN. 

Bei Rainer war wieder echte Arbeit angesagt: Danke! Dank dir kann ich das Thema "Ex-Planeten" nun auch endlich ad acta legen :D Pluto wird für mittlere Öffnungen ja in den kommenden Jahren (Jahrzehnten!) für nachfolgende Beobachter Generationen immer schwerer zu beobachten und ist auch heute schon mit 14,2m kein einfaches Objekt mehr - auch nicht in 12". So war es auch nur der wirklich guten Karte zu verdanken, dass ich den Zwergplaneten immer wieder aufblitzen sah, eine hohe Vergrößerung war hier sehr förderlich.

Später durfte ich bei ihm auch noch einen schwächlichen Abell PN sehen (leichter als Pluto) und beim Versuch einen Pal Haufen zu sichten kläglich versagen.

Weiter ging es mit meinen gemütlichen Beobachtungen die dagegen Augenkuschler waren. Darunter auch NGC 7331 die ich lange nicht mehr gesehen hatte. Den Galaxienhaufen Abell 262 konnte ich trotz suboptimaler Karte auch finden und sah auch einige Nebelfetzchen im Feld, aber ohne nähere Identifikation mit meiner richtigen Karte blieb es doch etwas unbefriedigend.

Gegen halb Eins ermahnte ich mich zum Abbau um  ein paar Stündchen später wieder halbwegs menschlich aus dem Bett zu torkeln.. Insgesamt war es eine schöne Nacht bei guter Transparenz und angenehmen Temperaturen - Mann bin ich froh, dass der Sommer endlich rum ist!

Sonntag, 10. April 2016

BB Frühjahrstreffen Stumpertenrod 2015

Datum:  8-9. April
Ort: Vogelsberg
Zeit: 22:15 Uhr bis 2:30 Uhr
Grenzgröße: ~ 6m4+ 
 
Zu meiner.... Schande trifft es nicht, eher Trauer, muss ich gestehen, dass seit meinem letzten Aufenthalt im Vogelsberg vor fast genau einem Jahr meine astronomischen Freuden doch arg gedämpft waren, vielleicht noch mit Ausnahme der Beobachtungen in den Alpen im vergangenen Spätsommer sowie der Mondfinsternis. Aber von den Nächten von denen ich eigentlich "lebe" waren durch die Bank weg alle nicht dazu geeignet die Motivation aufrecht zu halten, der Himmel entweder ein gutes Stück von den Durchschnittswerten entfernt, der Wind so stark dass ernsthafte Einschränkungen die Folge waren... ect.

Diese Nacht beim Frühjahrstreffen der Sternwelt Vogelsberg hat mich aber endlich wieder geerdet, begeistert und tief befriedigt. Kurzentschlossen kam meine Tochter mit, so richtig begeistert war ich zunächst nicht, sollten die Nachtemperaturen doch merklich unter die Frostgrenze fallen, außerdem kamen wir erst sehr spät auf die Straße (nach 20 Uhr). Deshalb konnte ich natürlich nach 22 Uhr auch nicht mehr auf den Platz fahren, dank Jan der mich aber schon am Parkplatz hinter der Sternwarte in Empfang nahm war das nötigste Equipment problemlos an den unteren Rand des Platzes getragen und aufgebaut. Wegen dem mich bereits auf den letzten Kilometern im Auto extrem begeisternden Himmel (und wir reden hier von einem eher unspektakulären Frühlingshimmel!) wollte ich nicht viel Zeit mit Knipsen vertrödeln, weshalb man mir ein einziges, schlechtes und nichtssagendes Foto als Stimmungsbild verzeihen möge - es taugt eigentlich nur als Beweis: Die Sonne schien nicht.


Meine Tochter war noch ein kleines Weilchen wach, schon etwas geschwächt von der vorigen Nacht die sie wohl auch mehr wach als schlafend bei einer Freundin verbrachte ;) Aber immerhin sah sie noch alle Mitglieder des Leo-Triplets bevor sie sich in der Sternwarte mit dem Schlafsack in eine Ecke verkrümelte.

Bei Jan gab es im 16er eine weitere tolle Gruppe in Leo auf die Augen:
NGC3686/3684/3681/3691wobei die leztere etwas abseits steht und auch kleiner respektive schwächer ist. Natürlich trotzdem nicht sehr anspruchsvoll im 16er aber dafür umso schöner anzuschauen. Tatsächlich fand ich sie dann auch auf Anhieb im 8er wieder und auch hier waren alle Gruppenmitglieder mit 14mm zu sehen. Zerknirscht muss ich jetzt auch noch zugeben, dass ich meine letzte Beobachtung vor drei Jahren wieder völlig vergessen hatte ;)

Also bringen mir Galaxien nach wie vor das vertraute Kribbeln, dann ab in den Virgohaufen. Ich muss schon gestehen, dass ich etwas Bammel hatte ob alle Strategien und Handgriffe noch reibungslos funktionieren aber ja - als wäre ich letzten Monat zehn mal draußen gewesen.

Also Peilung auf Messier 100 um mich dann über 99 zu 84 und 86, dem Einstieg in die Makarian Chain. Ich halte kurz inne - natürlich ist die Kette ein tolles Highlight des Virgohaufens, aber schon wieder? Nein, ich schaue mich jetzt mal in die andere Richtung um. Zunächst identifiziere ich neben 84 und 86 auch nocht NGC 4402, 4387, 4388 (die ohnehin sehr hell ist) und sogar IC  3303! Weiter geht es Richtung Süden zu einer zumindest auf der Karte sehenswerten Dreiergruppe: NGC 4440, 4436, 4431. Die Karte erschien mir hier zwar in Sachen Ort völlig eindeutig aber der Abstand der Galaxien erschloß sich mir nicht sofort, so dass ich sie zwar sofort sah aber erst noch trennen wollte wo nichts mehr zu trennen war, die Mitglieder stehen schon ein Stückchen auseinander, das kam auf der Karte nicht ganz rüber. Bei Jan im 16er wurde mir das dann klar. Auch eine wunderschöne Gruppe, die den 8"er nicht überfordert hat.

Zwischendurch mal ein bisschen die Beine vertreten und bei Basti am Nachbarteleskop einen saftigen M51 beobachten, das wird dann auch noch an den anderen Geräten gemacht - die vielen Knoten in den Spiralarmen sprechen eine klare Sprache: Heute wurde was richtig gemacht am Himmel! Ein Blick in Richtung UMi sagt auch, dass wir hier eine echt transparente Nacht haben, der 6,2er springt einen sofort an und mit etwas Geduld komme ich auf gut 6m4 Grenzgröße, im Zenith mag sie sogar darüber gelegen haben. Allein am Horizont ist etwas Dunst. Es ist schon erstaunlich kalt für Aprik, etwa -3° und die volle Winterkleidung ist am Körper und sorgt für das nötige Durchhaltevermögen.

Die Kette in Virgo beobachte ich natürlich trotzdem noch durch bis M88 die bereits in Coma Berenices liegt. Ich verlängere die Kurve noch über NGC 4516 bis M91. Im Sternbild Coma besuche ich dann noch ein altbekanntes und immerwieder überraschendes Pärchen: Nahe Alpha Coma und damit eigentlich nicht zu übersehen liegen zwei Kugelsternhaufen in einem (Übersichts) Gesichtfeld die unterschiedlicher nicht sei können obwohl sie sogar ähnliche Nummern haben.

M53 ist natürlich ein heller, schön aufzulösender Kugelsternhaufen wie man ihn vielfach aus dem Messierkatalog kennt. Am Gesichtsfeldrand des 24mm Okulars sieht man mit NGC 5053 ein wesentlich schwächerer Vertreter. Zwischen 8m33 und 9m8 mögen auf dem Papier keine gigantischen Unterschiede bestehen aber durch die sehr schwache Konzentration des NGC Haufens ist der Kontrast schon sehr auffällig.

Die Sommermilchstraße erhebt sich langsam im Osten über den Horizontdunst, der aber langsam etwas höher kriecht, sehr zufrieden lehnen wir uns auf den Stühlen zurück und lassen die Ruhe auf uns wirken, nur unterbrochen vom Schnarchen der Zusammengebrochen und dem Surren der Unbelehrbaren. Gegen halb drei mache ich es mir dann doch auf meinem Feldbett bequem (und es ist in der Tat bequem!).

Der Morgen kommt früh mit der natürlich nun ausgeschlafenen Tochter die voller Tatendrang um kurz nach Sieben in die noch eisbedeckte Morgenkälte springt. Nach einem wärmenden Kaffee und einfachen Frühstück kommen die weiteren Protagonisten aus ihren Zelten und Autos und neben etwas Fachsimpelei machen wir uns nochmals auf die Socken um ein wenig die wunderschöne Natur der Umgebung zu genießen. Nach dem Mittagessen machen wir uns dann aber ob der Prognosen und der nach Fahrplan aufziehenden Bewölkung auf den Nachhauseweg. Es war kurz, ja - aber selten hat von Anfang bis Ende alles gepasst und einmal mehr war es der Vogelsberg der mir genau das gegeben hat was ich bei diesem Hobby suche: Tiefe Einblicke in einen beeindruckenden Himmel, nette Gleichgesinnte um mich herum und nah an einer wunderschönen Natur zu sein.

Ans Ende stelle ich noch einige Eindrücke des Frühlingstreffens.







Freitag, 8. April 2016

Artikel im Rhein Main Wochenblatt

Vor einigen Wochen meldete sich bei mir eine Redakteurin der Zeitung und fragte ob ich nicht Lust hätte ein kleines Interview zu unserem Hobby für eine neue Reihe über "ungewöhnliche Hobbies" zu geben.

Ich habe erst überlegt ob ich das tun sollte: bin ich und meine Art das Hobby auszuüben repräsentativ? Finde ich die richtigen Worte in der Kürze der Zeit? Egal - da sie auf die Empfehlung eines anderen Sternfreundes erst auf mich kam sagte ich zu. Wir trafen uns in der Woche darauf und führten ein sehr schönes langes Gespräch in dem ich versuchte sowohl die Vielschichtigkeit des Hobbys darzustellen aber dennoch klar zu machen wo meine ganz persönlichen Interessen liegen.



Sehr nett fand ich die Möglichkeit eine Vorabversion des Artikels nochmal auf inhaltliche Fehler zu durchforsten, außer ein paar Kleinigkeiten gab es da auch gar nichts zu kritisieren. Am 30.03 erschien der Artikel nun in einer Vielzahl von kostenlosen Wochenzeitungen :) Natürlich mit etwas journalistischer Freiheit formuliert aber ich bin durchaus zufrieden und möchte mich nochmal bei Frau Kottusch für die Chance bedanken unser Hobby in der Zeitung zu präsentieren.

 

Nur zwei kleine Richtigstellungen:
a) Meine Frau träumt nicht direkt von mir sondern von Wildunfällen wenn ich unterwegs bin
b) Entgegen dem grobkonvertierten Foto besitze ich nach wie vor eine Nase und sogar Augen! :D :D



Sonntag, 7. Februar 2016

BB vom 06.02.2016

Ort: Idsteiner Land
Zeit: 21:30 bis 0:00 Uhr
Bedingungen: fst ~5,8 im Zenit 6m
Wetter: extrem windig, zum Ende durch- und aufziehende Bewölkung

Mach wir es kurz: Hätte ich am Anfang der Nacht gewusst wie es sich dann am Ende darstellte wäre ich wieder eingestiegen und werde das auch bei nächsten Mal so tun..

Das Problem war weder Feuchtigkeit, noch Kälte, noch Himmelqualität sondern der immens störende Wind - eher Sturm  - der das Beobachten stark einschränkt und zu einer Qual machte. Trocken war es, aushaltbare 5° und der Himmel war schön transparent wenngleich sich am Horizont schon Wolken herumdrückte, die zum Ende dann den Himmel überzogen.



Neben dem Dauerwackeln und Wegdrehen des Dobsons waren die größten Showstopper: tränende, brennende Augen, umfliegende Stühle und die Unmöglichkeit sich mal ein Blatt mit ans Teleskop zu nehmen. Soviel zur Meckerei - die positiven Aspekte waren der bereits erwähnte Himmel der wirklich schöne Ansichten gönnte und der lang erwartete Test des neuen 24mm ES Okulars, das genauso schön abbildete wie ich es in Erinnerung hatte.

Eigentlich wollte ich auch den frisch eingetroffenen BAfK einweihen und testen, doch Papier - insbesondere die Blätter meines Hunter Atlases - war ob des Sturmes eine schlechte Idee.

Sehr schön war der Komet C/2013 Catalina in Rainers 12"er der eine beachtliche Helligkeit zeigte, sofort auszumachen war ein merklich heller, konzentrierter Kernbereich umgeben von einer schwächeren nicht 100%ig kreisförmigen diffusen Koma. Einen Schweif im originären Sinne konnte ich erst nicht ausmachen, zumindest nichts wie ich es von anderen Kometen kenne. Aber reproduzierbar gesellte sich  an die Koma eine sehr breit aufgefächerte Nebulosität. Auffällig dabei war, dass man hier nicht wirklich einen sanft auslaufenden Kontrast zur Koma hatte sondern der Helligkeitsabfall recht stark war, durch Fieldsweeping verfestigte sich der Eindruck und der Teil des Kometen konnte sogar gesehen werden wenn man ins Feld schwenkte ohne die Koma in den Blick zu bekommen.



Alsdann versuchte ich mich an einem PN aus dem BAfK in Taurus NGC 1514 - leider ging das in die Hosen, die Gründe vielfältig, nicht verschweigen will ich auch nachlassende Übung ;) Aber vor allem waren als ich dann endlich im Zielgebiet ankam, eine Wolke darüber gezogen - dahin jede Lust weiterzusuchen...

Bei Rainer schaute ich mir noch einen sehr interessanten Nebel an: Den "Heartnebula" NGC 896 der im [OIII] eine interessante feine Teilung zeigte. Danach begab ich mich nochmals auf eine kleine Galaxientour durch UMa mit einigen Evergreens, M 108, 109, 81, 82, 101... alle noch da, wer hätte gezweifelt, im 24er war 108 zusammen mit dem Eulennebel M 97 in einem Gesichtsfeld.

Als ich die Augen nur mit Mühe noch in den Höhlen halten konnte (der Wind pfiff extrem durchs GSO-Ofenrohr, meine Colaflasche war 50m weit weggeweht worden und die Augen extrem ausgetrocknet) wollte ich noch einen letzten Blick auf Jupiter werfen. Es war einerseits für die Füße weil selbst bei 14mm das Teleskop schon derart wackelte und zitterte, dass es keinen Sinn machte nach tiefergehenden Details Ausschau zu halten, andererseits zeigte sich eine sehr sehr interessante Mondstellung, hier ein Screenshot aus Stellarium:


Io war nur noch sehr sehr knapp vor dem Horizont des Gasriesen und verschwand schlussendlich im Gewaber der Plantenscheibe.

Das Fazit der Nacht habe ich ja am Anfang bereits vorweggenommen und bleibe dabei: So was mache ich nicht mehr mit, die Augen haben sich erst am nächsten Vormittag wieder halbwegs beruhigt, dass ich mir keinen Zug eingefangen habe werte ich als Wunder ;)